Berufsprofil Arbeitsagoge*in

Schlüsseltätigkeiten

Das Hauptziel (Kernauftrag) von Arbeitsagogen*innen ist es, Menschen die Teilhabe an einem produktiven Arbeitsprozess zu ermöglichen. Sie bewegen sich professionell im Spannungsfeld zwischen Produktions-, respektive Dienstleistungsauftrag und agogischem Auftrag:

  • Sie gestalten geeignete Arbeitsarrangements, die es Menschen ermöglicht, trotz ihrer Beeinträchtigungen eine wertschöpfende oder nutzenstiftende produktive Tätigkeit auszuüben.
  • Sie begleiten und fördern Menschen agogisch, damit sie ihre persönlichen, sozialen und beruflichen Kompetenzen nutzen und erweitern können und so eine möglichst selbstbestimmte Lebensgestaltung erlangen.
  • Sie nutzen das professionelle Netzwerk für Beratung und Support.

Die zentrale Herausforderung für Arbeitsagoginnen und –agogen liegt darin, den Prozess zwischen Individuum und Arbeit so zu planen und zu organisieren, dass sowohl die persönlichen Entwicklungs- respektive Integrationsziele wie auch die wirtschaftlichen Produktivitätsziele erreicht werden.

Das Qualifikationsprofil für Arbeitsagogen*innen finden Sie hier 

 

Die Arbeit als Mittel

Das wichtigste Instrument der Arbeitsagogik stellt die Arbeit als Tätigkeit dar. Sie verfolgt immer zwei Ziele. Die Arbeit ist nicht nur Ressource zur Schaffung von wirtschaftlichem Mehrwert, sondern gleichzeitig ist sie auch Mittel zur Entwicklung der persönlichen und beruflichen Kompetenzen.

 

Handlungskompetenzen im produktiven Bereich

  • Arbeitsagogen*innen können dank guter Qualifikationen in ihrem Herkunftsberuf gegenüber den Auftraggebern eine qualitativ einwandfreie Produktion und Dienstleistung gewährleisten.
  • Sie können die erforderlichen Arbeitsprozesse betrieblich so organisieren, dass ihre Mitarbeitenden sie zu bewältigen vermögen.
  • Sie verstehen es, Tätigkeiten lern- und entwicklungsfördernd zu gestalten.
  • Sie können ihre Führungsaufgabe als Vorgesetzte auch unter erschwerten Voraussetzungen wahrnehmen.

Handlungskompetenzen im agogischen Bereich

  • Arbeitsagogen*innen können die Auswirkungen von sozialen, körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen umfassend verstehen und angemessen in das arbeitsagogische Handeln einbeziehen.
  • Sie beherrschen die Grundlagen des agogischen Denkens und Handelns und können – eingebettet in den Prozess der produktiven Tätigkeit – den agogischen Kreislauf individuell, situationsgerecht und interdisziplinär anwenden.
  • Sie verfügen über gute kommunikative Kompetenzen, sind beziehungsfähig und können in der Gruppe ihrer Mitarbeitenden eine offene, entwicklungsfördernde und lebensbejahende Atmosphäre schaffen.
  • Sie verfügen über ein professionelles Rollenverständnis, sind fähig zur Selbstreflexion und nehmen die Verantwortung für ihre persönliche Weiterentwicklung wahr.

Handlungskompetenzen im Bereich Integration

  • Arbeitsagogen*innen sind vertraut mit den einschlägigen sozialen und wirtschaftlichen Netzen, können Beziehungen herstellen und nutzen.
  • Sie sind fähig zu interdisziplinärer Zusammenarbeit innerhalb der Institution, mit dem Netz der Bezugspersonen, mit Beratungsstellen (z.B. IV-Stellen, RAV), mit Betrieben und Verantwortlichen im primären Arbeitsmarkt, mit Behörden und Ämtern sowie mit anderen Fachpersonen des Systems der sozialen Unterstützung.

 

Anforderungen

Arbeitsagogen*innen übernehmen eine sehr anspruchsvolle Führungsaufgabe im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem und sozialem Handeln.
Sie sind vernetzt denkende Persönlichkeiten und verfügen über ausgeprägte soziale und persönliche Kompetenzen, ein positives Selbstkonzept, psychische Belastbarkeit, Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit, Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie sehr gute berufliche Fachkompetenzen.